MENAGERIE im Oktober – Links und Lesenswertes

MENAGERIE im Oktober – Links und Lesenswertes

In der MENAGERIE versammeln sich einmal im Monat Netzfundstücke, Lesenswertes und Links. Diesmal dabei: Museen für Mikroben, Pfeilstörche und Tierrepräsentationen im Ruhrgebiet.


In der Süddeutschen schreibt Mohamad Alkhalaf aus Syrien darüber, wie neu und ungewöhnlich ihm die Deutschen und ihre Haustiere vorkamen. Im arabischen Sprachraum gilt ‚Hund‘ als schlimme Beleidigung, hierzulande tragen Hunde Jäckchen und sind Teil der Familie. Zum Schluss fragt er sich doch: Wie konnte ich nur drei Jahrzehnte ohne Haustier leben?

Dackelblick mit Strategie: Menschen beeinflussen die Mimik von Hunden. Gesichtsausdrücke sind auch bei nichtmenschlichen Tieren Teil koevolutionärer Entwicklung, die zum Teil gezielt eingesetzt wird und sich je nach dem Grad menschlicher Aufmerksamkeit anpasst. Das fand eine Studie in der Zeitschrift Scientific Reports heraus.

(via geo.de)

 

Im 19. Jahrhundert haben sie maßgeblich dazu beigetragen, den Verbleib von Zugvögeln im Winter aufzuklären: Pfeilstörche. Bislang war das regelmäßige Verschwinden der Vögel ein Rätsel und ob sie am Grund eines Sees Winterschlaf halten oder sich in Mäuse verwandeln gleichermaßen vieldiskutierte Theorien. 1822 schoss man auf Schloss Bothmer einen Storch vom Himmel, in dessen Hals ein afrikanischer Jagdpfeil steckte. Der Pfeil hatte sich unter der Luft- und Speiseröhre durchgebohrt und war dort, durch Verknorpelung, angewachsen. Etwa 25 solcher Fälle sind bekannt, ein Pfeilstorch-Präparat steht in der Zoologischen Sammlung der Universität Rostock.

Einfach immer weiterfliegen. Foto: Uni Rostock.
(via kraftfuttermischwerk)

 

Im Frühjahr 2019 soll die Ausstellung des aktuellen Verbundprojektes des Ruhr Museums Essen, der Universität zu Köln und des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen eröffnen:“Tiere als Objekte in den Museen des Ruhrgebiets. Zur Repräsentation von Tieren und Mensch-Tier-Beziehungen von der Vormoderne bis zur Gegenwart„. Die Geschichte der Industrieregion wird mit Blick auf Tiere, Tiernutzung, Interaktionen, Zucht, Migration bis hinein in die Gegenwart mit Fokus auf Denkmalkulturen, Zoos und Youtube neu erzählt. Klingt super spannend, und die Wartezeit wird einem sogar noch mit einer Auftakt-Tagung im März 2018 verkürzt: „Brauchen die Kulturwissenschaften einen Animal Turn? Theoretische Grundlagen und konzeptionelle Probleme der Human-Animal-Studies“ am  14.–15. März 2018 in Essen.

Hätte ich das gewusst, als ich neulich in Amsterdam war: Hier gibt es seit 2014 Micropia, den ersten Mikroben-Zoo der Welt. Hier soll ein breites Publikum von Mikroorganismen und Mikrobiologie begeistert werden. Bei über 700 verschiedenen Arten allein im menschlichen Mund, wird es wohl auch mal Zeit, sich Hallo zu sagen.

treffe deine Mikroben from ARTIS & Micropia on Vimeo.

 

„If the ship changed the life of the giraffe, did not the giraffe also change the shape and purpose of the ship? Imagine them together, the ship and the giraffe, crossing an ocean, crossing cultures, and launching a new world order.“ Jody Berland schreibt in Humanimalia über speziesübergreifende Veränderungen früher Menagerien und den verschiedenen Rollen, die exotische Tiere im gesellschaftlichen und politischen Machtgefüge einnahmen und heute einnehmen, am Beispiel der Giraffe.

„We are as embedded in the world of natural and digital habitats as animals are, and we need to find more complex ways to render these realities and more sustainable modes of entanglement with them.“ –

Jody Berland, Attending the Giraffe

 

Über welche interessante, kuriose oder merkwürdige Dinge seit ihr diesen Monat gestolpert? Let me know!

 

 

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